Noch vor knapp 20 Jahren wurde jeder Skispringer, der die Schanzen dieser Welt im V-Stil heruntergestürzt ist, mit empfindlichen Punktabzügen bestraft. Wie kam es also, dass sich der V-Stil durchgesetzt hat? Und – noch viel entscheidender – wie ist der V-Stil überhaupt entstanden? „Ich habe es nicht für die Welt getan. Ich habe es für mich getan – und die Welt ist mir gefolgt.“ (Jan Boklöv) Was der Fosbury-Flop im Hochsprung, ist der V-Stil im Skispringen: Eine revolutionäre Technik, die jeder anderen bislang bekannten Methode deutlich voraus ist. Nun hatte der US-Amerikaner Dick Fosbury das Glück, dass die Sprungtechnik, bei der man rücklings mit dem Kopf zuerst und den Fersen zuletzt die Hochsprunglatte überquert, nach ihrem Begründer benannt wurde. Fosburys Name wird so immer untrennbar mit ihr verbunden sein. Im Falle des V-Stils im Skispringen verhält es sich anders. Hier hat man die Technik nach ihrem Aussehen benannt. Womöglich, weil der Begründer für die Geschichte des Skispringens nicht bedeutend genug ist? Wohl kaum: Denn einerseits hat der Schwede Jan Boklöv dank des V-Stils immerhin den Gesamtweltcup in der Saison 1988/89 gewonnen, andererseits hat „seine“ Technik erst die Rekordweiten im modernen Skispringen ermöglicht, die wir an fast jedem Weltcup-Wochenende bestaunen können. Erfindung des V-Stils: Absprungfehler, Windböe oder Verzweiflung? Möglicherweise liegt die Namensgebung ja auch darin begründet, dass der V-Stil im Gegensatz zum Fosbury-Flop nicht das Produkt eines Tüftelprozesses ist, sondern eher einem Zufall entsprungen ist – wobei es drei Versionen gibt, die ihr Erfinder Jan Böklov selbst verbreitet hat: Mal sprach er von einem Absprungfehler, der ihn bei einem Trainingssprung im Jahr 1985 in der Luft zu einer Korrektur zwang; mal von einer heftigen Windböe, die ihn während des Sprungs erfasste; mal davon, aus Verzweiflung über seine schwachen Sprünge intuitiv in der Luft einfach einmal etwas versucht zu haben. Zumindest die Pointe war in allen drei Fällen die gleiche: Boklövs Ski bildeten in der Luft ein V, und der Schwede landete bei einer nie erreichten Weite. Der Grund: Durch die gespreizten Ski hat der Wind eine um etwa 25 Prozent vergrößerte Angriffsfläche. Auf diese Weise kann sich der Springer auf ein deutlich größeres Luftpolster „legen“ und ins Tal tragen lassen. |